Wildunfälle

Entgegen dem Bundestrend, dass allgemeine Verkehrsunfälle rückläufig sind, steigen Wildunfälle seit Jahren kontinuierlich an. Sie haben gravierende Auswirkungen sowohl auf Wildtiere als auch auf die Verkehrssicherheit. Alle 20 Minuten wird in Baden-Württemberg ein größeres Säugetier wie Reh, Wildschwein oder Hirsch durch Straßenverkehr getötet, bundesweit sogar alle 2 Minuten. Gleichzeitig wird rund ein Dutzend Personen jährlich durch Wildunfälle getötet und rund 2.500 Personen werden leicht bis schwer verletzt. Die jährliche Schadenssumme für Fahrzeugschäden beläuft sich bei den deutschen Versicherungsgesellschaften mittlerweile auf über 1 Mrd. Euro.

Wildunfall mit Reh © FVA Baden-Württemberg

Interaktive Wildunfall-Karte

Um der Zahl an Wildunfällen mit Präventionsmaßnahmen effizient begegnen zu können, ist die Lage und Verteilung der Wildunfälle auf dem Straßennetz notwendig. Seit 01. Mai 2021 werden seitens der Polizei auch Wildunfälle ohne Personenschäden (sog. Kategorie 5 Unfälle) erfasst. Mit dieser Umstellung liegen für Baden-Württemberg erstmals flächig Wildunfalldaten mit geographischer Verortung und somit lagegenau vor. Die Daten werden der FVA halbjährlich zur Verfügung gestellt und dort die Ergebnisse der räumlichen Analyse als interaktive Karte auf der Homepage dargestellt.

Interaktive Karte mit Wildunfällen in Baden-Württemberg © FVA Baden-Württemberg

Screenshot der interaktiven Karte mit Wildunfällen in Baden-Württemberg

Keine Wirkung von Wildwarnreflektoren!

In zwei umfangreichen Forschungsprojekten der FVA wurde der Frage nachgegangen, ob Wildwarnreflektoren zur Wildunfallvermeidung beitragen. In beiden Projekten konnte anhand von besenderten Rehen, Verhaltensdokumentation von Rehen am Straßenrand als auch Rehen in Gehegen gezeigt werden, dass Wildwarnreflektoren keine Verhaltensänderungen bei den Tieren erzeugten, die das Risiko eines Wildunfalls reduzieren, so dass das Fazit lautet, dass Wildwarnreflektoren keinen Beitrag zur Wildunfallprävention leisten.

Und nun?

In zwei Modellregionen (Enzkreis und Bodenseekreis) werden zurzeit bis Mitte 2026 unterschiedliche Maßnahmen erprobt, ob diese zur Wildunfallprävention beitragen. Es kommen Maßnahmen des Straßenbetriebs zur Anwendung, wie das Verkehrszeichen 142 "Achtung Wild" auf großer Trägertafel, Geschwindigkeitsreduktion oder Dialogdisplays, aber auch Maßnahmen, die die Sichtbarkeit für Verkehrsteilnehmende verbessern, wie Waldrandauflichtung.

 

weitere Informationen zur Forschung zu Wildunfällen als auch Präventionsmaßnahmen der FVA

Aufnahme eines Wildunfalls mit einer Wärmebildkamera

Arbeitskreis Verkehrssicherheit & Wildtiere

Baden-Württemberg hat sich das Ziel gesetzt, Wildunfälle langfristig signifikant zu reduzieren. Um das Ziel zu erreichen, wurde Ende 2020 der Arbeitskreis initiiert, der sich aus Mitgliedern des Ministeriums für Ländlichen Raum, Verbraucherschutz und Ernährung, dem Ministerium für Verkehr, dem Ministerium für Inneres, Kommunen und Digitalisierung, dem Landesjagdverband Baden-Württemberg und dem FVA-Wildtierinstitut zusammensetzt. Der Arbeitskreis hat die Aufgabe, die Dokumentation von Wildunfalldaten zu verbessern als auch Maßnahmen der Unfallprävention aufzuzeigen und Probleme zu benennen, um daraus effektive Maßnahmen zur Wildunfallprävention abzuleiten.

AK Verkerhssicherheit & Wildtiere

Ansprechperson

Dr. Falko Brieger

Forstliche Versuchs-und Forschungsanstalt - Abteilung FVA-Wildtierinstitut

Wonnhaldestr. 4

79100 Freiburg

Falko.Brieger@forst.bwl.de

+49 (0) 761 4018-454